Commodore 64: Die Geschichte des legendären Brotkastens

Ein beiger Kasten mit klobiger Tastatur, daneben eine Datasette, die beim Laden Geräusche macht wie ein kaputtes Faxgerät. Für Millionen Menschen war genau dieses Gerät der Einstieg in die Welt der Computer und Videospiele. Der Commodore 64, hierzulande liebevoll Brotkasten genannt, ist der meistverkaufte einzelne Heimcomputer der Geschichte. Und seine Geschichte beginnt mit einem Mann, der Computer radikal billig machen wollte.

Computer für die Massen, nicht für die Klassen

Commodore-Chef Jack Tramiel hatte ein einfaches Credo: Computer für die Massen, nicht für die Klassen. Als der C64 im Januar 1982 auf der Consumer Electronics Show vorgestellt wurde, staunte die Konkurrenz. 64 Kilobyte Arbeitsspeicher, dedizierte Chips für Grafik und Sound, Startpreis 595 Dollar und damit weit unter vergleichbaren Rechnern von Apple oder IBM. Möglich war das, weil Commodore mit MOS Technology einen eigenen Chip-Hersteller besaß und fast alles selbst fertigte. Tramiel senkte die Preise anschließend so aggressiv, dass Wettbewerber wie Texas Instruments reihenweise aus dem Heimcomputer-Markt gedrängt wurden.

VIC-II und SID: Zwei Chips schreiben Geschichte

Zwei Bauteile machten den C64 besonders. Der VIC-II-Grafikchip beherrschte Hardware-Sprites und flüssiges Scrolling, perfekte Zutaten für Actionspiele. Und dann war da der SID 6581, entwickelt von Bob Yannes: ein Soundchip mit drei Stimmen und Filtern, der eher ein kleiner Synthesizer war als ein Piepser. Komponisten wie Rob Hubbard, Martin Galway oder Chris Hülsbeck holten Musik aus dem Chip, die bis heute auf Konzerten gespielt und geremixt wird. Kein anderer Heimcomputer klang auch nur annähernd so gut.

Der Brotkasten in deutschen Kinderzimmern

Nirgendwo wurde der C64 so sehr zum Kulturphänomen wie im deutschsprachigen Raum. Sein Spitzname Brotkasten kommt schlicht von der Gehäuseform der frühen Modelle. Millionen Geräte standen in Wohn- und Kinderzimmern, geladen wurde von Datasette oder der trägen 1541-Floppy, und die Wartezeit gehörte zum Ritual einfach dazu. Die Spielebibliothek wuchs auf zehntausende Titel, von Textadventures bis zu technischen Meisterwerken wie Turrican oder The Last Ninja. Welche Klassiker du unbedingt kennen solltest, verrät dir unsere Auswahl der besten C64-Spiele der 80er. Einen breiteren Blick auf die Ära wirft unser Artikel über die ersten Computerspiele der 80er.

Cracker, Demos und ein zweites Leben

Rund um den C64 entstand etwas, das es so vorher nicht gab: eine eigene Jugendkultur. Cracker-Gruppen entfernten Kopierschutz und signierten ihre Arbeit mit immer aufwendigeren Intros. Aus diesen Intros entwickelte sich die Demoszene, die den Rechner bis heute zu Kunststücken zwingt, die seine Entwickler nie vorgesehen hatten. Der offizielle Nachfolger kam übrigens aus demselben Haus: Wer wissen will, wie es weiterging, findet die Fortsetzung in unserem Beitrag über Amiga-500-Spiele.

Das Ende und das lange Erbe

Produziert wurde der C64 sagenhafte zwölf Jahre lang, bis Commodore 1994 Insolvenz anmeldete. Wie viele Geräte genau verkauft wurden, ist bis heute umstritten; die Schätzungen bewegen sich je nach Quelle zwischen gut zwölf und siebzehn Millionen. Unbestritten ist sein Platz in der Geschichte: kein einzelnes Computermodell verkaufte sich häufiger. Wichtiger noch ist, was er auslöste. Eine ganze Generation von Entwicklern, Musikern und Bastlern hat auf dem Brotkasten ihre ersten Zeilen BASIC getippt. Und die Community? Baut heute neue Hardware, veröffentlicht weiterhin frische Spiele und hält den Brotkasten quicklebendig.

Häufige Fragen zum Commodore 64

Warum heißt der Commodore 64 Brotkasten?

Der Spitzname kommt von der Gehäuseform der frühen Modelle: Das beige, leicht abgerundete Gehäuse erinnerte viele Nutzer im deutschsprachigen Raum an einen klassischen Brotkasten aus der Küche.

Wie viele Commodore 64 wurden verkauft?

Genaue Zahlen sind umstritten. Die Schätzungen reichen je nach Quelle von gut zwölf bis etwa siebzehn Millionen Geräten. Als meistverkauftes einzelnes Computermodell gilt der C64 aber unabhängig davon.

Was macht den SID-Soundchip so besonders?

Der SID 6581 von Bob Yannes bot drei Stimmen, verschiedene Wellenformen und Filter und klang damit eher wie ein kleiner Synthesizer als wie ein üblicher Heimcomputer-Piepser. Seine Musik wird bis heute geremixt und live aufgeführt.

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