Stell dir vor, deine Konsole könnte genau ein Spiel. Für immer. So sah die Realität der Pong-Ära aus, und genau deshalb war die Idee, die Ende der 70er die Wohnzimmer eroberte, so bahnbrechend: Wechselmodule. Ein Gerät, unendlich viele Spiele, jedenfalls theoretisch. Die Konsolen der zweiten Generation hatten die Bühne betreten, und mit ihnen kam das Fundament für alles, was wir heute unter einer Spielkonsole verstehen.
Der große Sprung: Wechselmodule statt fest verdrahteter Spiele
Der Unterschied zur ersten Generation lässt sich in einem Satz erklären: Statt fest eingebauter Spielvarianten steckte das Spiel jetzt in einer Cartridge, die man wechseln konnte. Damit wurde die Konsole zur Plattform und das Spiel zum eigenständigen Produkt. Softwarehäuser, Spieleregale, das Sammeln von Modulen, all das beginnt hier. Wer sich für die Vorgeschichte interessiert, findet in unserem Beitrag über die erste Spielkonsole der Welt den passenden Einstieg.
Atari 2600: Der Platzhirsch
Das Gesicht der zweiten Generation ist ohne Zweifel der Atari 2600, erschienen 1977. Mit seiner Holzoptik-Front und den ikonischen Joysticks wurde er zum Synonym für Videospiele schlechthin. Auf ihm liefen Umsetzungen der großen Arcade-Hits ebenso wie eigenständige Klassiker, und die schiere Menge an Spielen, die im Laufe der Jahre für das System erschien, ist bis heute beeindruckend.
Technisch verlangte der 2600 den Entwicklern alles ab. Der Speicher war winzig, die Grafikmöglichkeiten eng begrenzt, und trotzdem entstanden auf dieser Hardware Spielideen, die Genres begründeten. Gerade diese Kreativität unter Druck macht die Bibliothek für Sammler so spannend. Dazu kam ein Detail, dessen Tragweite man damals kaum absehen konnte: Für den 2600 erschienen erstmals in großem Stil Spiele von Drittherstellern, die mit dem Konsolenbauer selbst nichts zu tun hatten. Die Frage, wer für eine Plattform entwickeln darf, begleitet die Branche seitdem.
Intellivision und Odyssey²: Die Herausforderer
Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. Mattels Intellivision positionierte sich als die anspruchsvollere Alternative: detailliertere Grafik, komplexere Spiele, dazu ein eigenwilliges Steuerkreuz-Pad mit Ziffernblock, in das man Overlays für einzelne Spiele einlegen konnte. Vor allem Sport- und Strategietitel galten als Stärke des Systems.
Die Odyssey² wiederum, der Nachfolger im Geiste der ersten Heimkonsole überhaupt, brachte eine vollwertige Folientastatur mit und schielte damit in Richtung Lerncomputer. In Europa war das Gerät unter dem Namen Philips Videopac unterwegs, und genau unter diesem Namen dürften es viele deutsche Sammler kennen. Die Bibliothek war kleiner als die der Konkurrenz, hat aber ihre ganz eigenen Perlen. Beide Systeme zeigen schön, dass die Konsolen der zweiten Generation mehr waren als nur Atari: Jeder Hersteller suchte seine eigene Nische, vom Sportspezialisten bis zum Beinahe-Heimcomputer.
ColecoVision: Arcade-Feeling fürs Wohnzimmer
Den technischen Schlusspunkt der Generation setzte die ColecoVision. Sie kam später als die Konkurrenz und nutzte das aus: Ihre Arcade-Umsetzungen sahen den Spielhallen-Originalen so ähnlich wie nichts zuvor auf einem Heimgerät. Wer damals einen Automaten-Hit im Wohnzimmer wollte, kam an Coleco kaum vorbei. Dass die große Zeit der Konsole trotzdem kurz blieb, lag nicht an der Hardware, sondern am Markt, der Anfang der 80er in eine schwere Krise rutschte. Kurios am Rande: Für die ColecoVision gab es sogar ein Zusatzmodul, mit dem sich Spiele des Atari 2600 auf der Konkurrenzkonsole spielen ließen, ein für die damalige Zeit bemerkenswert frecher Schachzug.
Das Erbe der zweiten Generation
So unterschiedlich die Konsolen der zweiten Generation waren, gemeinsam haben sie das Konsolenprinzip etabliert, das bis heute gilt: eine Plattform, viele Spiele, eigene Controller, ein Wettbewerb der Hersteller um die besten Titel. Für Sammler ist die Ära ein weites Feld mit allem, was das Herz begehrt, von Centartikeln bis zu gesuchten Raritäten. Wer heute einsteigt, sollte vor allem auf den Zustand von Modulschächten und Controllern achten, denn gerade die eigenwilligen Pads von Intellivision und Odyssey² sind schwer zu ersetzen. Einen größeren Bogen über die Epochen spannt unsere Geschichte klassischer Videospiele, und in unserer Games-Übersicht findest du viele Klassiker dieser Zeit im Detail.
Häufige Fragen zu Konsolen der zweiten Generation
Was zeichnet die zweite Konsolengeneration aus?
Das zentrale Merkmal sind Wechselmodule: Spiele steckten erstmals in austauschbaren Cartridges statt fest in der Konsole. Damit wurde die Konsole zur Plattform mit eigener Spielebibliothek.
Wann erschien der Atari 2600?
Der Atari 2600 erschien 1977 und wurde zur prägenden Konsole der zweiten Generation. Mit Holzoptik, Joysticks und einer riesigen Spielebibliothek wurde er zum Synonym für Videospiele.
Welche Konsolen gehören zur zweiten Generation?
Zu den bekanntesten Systemen zählen der Atari 2600, Mattels Intellivision, die Odyssey² (in Europa als Philips Videopac bekannt) und die ColecoVision.
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