Der Amiga 500 ist für viele der Heimcomputer schlechthin: das Gerät, auf dem Turrican, Lotus und The Secret of Monkey Island ihre Magie entfaltet haben. Über 35 Jahre nach seinem Erscheinen ist er wieder gefragt, und die Preise für gut erhaltene Geräte ziehen seit Jahren an. Wer heute einen Amiga 500 kaufen will, sollte deshalb genau hinschauen. Die Maschinen sind robust gebaut, aber vier Jahrzehnte gehen an keiner Elektronik spurlos vorbei.
A500 oder A500 Plus: Kenne den Unterschied
Unter der Bezeichnung Amiga 500 laufen zwei Geräte. Der klassische A500 mit OCS-Chipsatz und Kickstart 1.2 oder 1.3 ist die kompatibelste Wahl, denn viele frühe Spiele wurden genau dafür entwickelt und laufen auf späteren Kickstart-Versionen nicht sauber. Der A500 Plus mit ECS-Chipsatz und Kickstart 2.04 kam später und bringt ein eingebautes Problem mit: eine aufgelötete Echtzeituhr-Batterie, die nach all den Jahren fast sicher ausgelaufen ist und die Platine zerfrisst. Beim A500 Plus ist die erste Frage an den Verkäufer daher immer, ob die Batterie entfernt wurde und wie die Platine darunter aussieht. Grünliche Korrosionsspuren rund um den Batteriebereich sind ein ernstes Warnsignal.
Die üblichen Baustellen: Kondensatoren, Floppy, Tastatur
Elektrolytkondensatoren altern, und auslaufende Exemplare beschädigen die Leiterbahnen. Beim A500 ist das Problem kleiner als bei späteren Amigas mit SMD-Kondensatoren, aber ein Blick auf die Platine lohnt sich trotzdem. Frag nach, ob das Gerät „recapped“ wurde, also frische Kondensatoren bekommen hat. Auch das Netzteil verdient Aufmerksamkeit: Alte Commodore-Netzteile können nach Jahrzehnten unsaubere Spannungen liefern, viele Sammler ersetzen sie vorsorglich durch moderne Nachbauten.
Das Diskettenlaufwerk ist die zweite klassische Schwachstelle. Verharzte Mechanik und verschmutzte Köpfe führen zu Lesefehlern, die sich oft mit Reinigung und frischem Fett beheben lassen. Teste beim Kauf, ob eine bekannte, funktionierende Diskette sauber bootet. Bei der Tastatur schließlich leiert gern die Leitfolie aus, einzelne tote Tasten sind ein bekanntes Bild und reparabel, drücken aber den fairen Preis.
Sinnvolles Zubehör von Anfang an
Ein nackter A500 ist nur der halbe Spaß. Eine Speichererweiterung auf mindestens 1 MB Chip-RAM (die klassische Trapdoor-Erweiterung im Bodenfach) ist für viele spätere Spiele Pflicht. Für das Bild führt der beste Weg über RGB: entweder ein originaler Commodore-Monitor wie der 1084 oder ein RGB-SCART-Kabel Richtung Fernseher beziehungsweise Scaler. Sehr beliebt ist außerdem ein Gotek-Laufwerk, das Disketten durch Images auf einem USB-Stick ersetzt und die alternde Floppy schont. Wer eine Festplattenlösung nachrüstet, kann seine Spielesammlung über WHDLoad direkt von der Platte starten, ohne Diskettenwechsel und mit deutlich kürzeren Ladezeiten.
Falls du noch Argumente brauchst, warum du dir einen Amiga 500 kaufen solltest: Unsere Liste der besten Amiga-500-Spiele liefert genug Stoff für Monate. Und weil der Amiga auch klanglich Geschichte geschrieben hat, findest du in unserer Musik-Rubrik einiges zum Thema Chiptunes und Mods.
Zwei Anschaffungen werden gern unterschätzt: ein externes Zweitlaufwerk und ein ordentlicher Joystick. Viele größere Spiele kamen auf mehreren Disketten, und ein zweites Laufwerk erspart dir das ständige Wechseln mitten im Spiel. Beim Joystick lohnt Qualität, denn die billigen Knüppel von damals sind oft ausgeleiert; Klassiker mit Mikroschaltern gelten bis heute als erste Wahl. Und wenn die originale Maus fehlt oder hakt, gibt es Adapter, mit denen sich moderne USB-Mäuse am Amiga betreiben lassen.
Amiga 500 kaufen: Die Checkliste vor der Übergabe
Kurz zusammengefasst, was du vor der Übergabe prüfen oder erfragen solltest: Bootet das Gerät zuverlässig in den Kickstart-Bildschirm? Liest die Floppy eine bekannte Diskette? Funktionieren alle Tasten und beide Mausrichtungen? Wie sieht die Platine aus, gibt es Korrosion oder Batterieschäden, gerade beim A500 Plus? Ist das Gehäuse vollständig und nur vergilbt oder schon gebrochen? Vergilbung ist übrigens reine Optik und lässt sich mit etwas Aufwand sogar zurückbehandeln, gebrochene Halterungen sind das größere Ärgernis.
Ein ehrlich beschriebener, ungetesteter Dachbodenfund kann ein Schnäppchen sein, wenn du bereit bist zu schrauben. Wer einen Amiga 500 kaufen und einfach nur spielen will, fährt mit einem geprüften, gewarteten Gerät von einem Sammler oder Händler besser, auch wenn es mehr kostet. Kleinanzeigenportale, Retrobörsen und spezialisierte Händler sind die üblichen Anlaufstellen, wobei du bei Abholung vor Ort den unschätzbaren Vorteil hast, das Gerät vor dem Kauf laufen zu sehen. Ein kurzer Funktionstest von zehn Minuten erspart dir wochenlange Fehlersuche. Und egal welchen Weg du gehst: Sichere deine Disketten und Spielstände frühzeitig, wie in unserem Beitrag zum Erhalten alter Spiele beschrieben. Die Hardware kannst du reparieren, verlorene Daten nicht.